Verreibungen und ihre Wirkweise

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Das Handwerkszeug bei einer Verreibung besteht aus einem Mörser, einem Pistill und einem Kratzer aus Porzellan, sowie einem Trägerstoff wie Milchzucker oder Speisestärke und einer Substanz, die verrieben wird.

In der Arbeit mit den Chakren und Mondpunkten, sowie den Archetypen benutze ich lediglich den Trägerstoff und mittels Intention und Verreiben des Trägerstoffs baut sich das Feld auf, das wir an diesem Tag thematisch anbieten.

Ein typisches Bild einer Verreiberin ist eine sitzende Frau, die Verreibeschale in einer Hand im Schoß haltend, mit der anderen mittels Pistills, den Trägerstoff im Mörser verreibend. Die Augen sind dabei geschlossen, der Atem passt sich den inneren Gefühlen und Bildern an. Am Anfang ist dieser oft sehr regemäßig und ruhig. Dadurch, dass der Körper tätig ist und Verreibegräusche entstehen, ist der Geist entspannt und eine kontemplative Haltung kann sich unmittelbar einstellen, die mittels Meditation oft nur Geübte erreichen.

Durch die Abfolge von Reiben und Kratzen, Michzucker dazugeben, wegschütten, dazugeben, reiben, kratzen wird die rationale Hirnhälfte derart durcheinander gebracht, dass sie hier nicht mehr eingreifen kann und wir bekommen Zugang zu tieferen Ein-Sichten und Er-Kenntnissen. Wir verreiben uns so tief, das wir Zugang bekommen zu dem, was unter bestimmten Konditionierungen und angelerntem Verhalten, sozialem und kulturellem Hintergund verborgen liegt, bringen unsere eigenen Schätze hervor, und können es durch das Durchwandern frei lassen. Durch das Freilassen können wir ein größeres Gewahrsein entwickeln, das uns auch im Alltag zugute kommt, da wir hier direkte Anbindung an uns selbst wieder haben, mit dem, was uns wichtig ist, uns durch das Leben mit Leichtigkeit, Sinnerfülltheit und Fokus gehen lässt.

Manche konnten ihre Ehe retten, und wenn es ein friedvolles Auseinandergehen bedeutet, manche ihr Sexualleben mit Lust füllen, Ideen für berufliche Umorientierung gewinnen oder einfach den nächsten Schritt spüren, der gerade wirklich ansteht und alle Mittel während der Verreibung aktivieren, die für diesen Schritt notwendig sind. Und manchmal war der erste wichtige Schritt zu spüren, wie sehr man im Widerstand mit dem Leben oder bestimmten Zuständen liegt und sich dieses bewusst machen. Denn nur durch Bewusstwerdung können wir aktiv auf unser Leben Einfluss nehmen.

Wie viel oder wenig innerhalb einer Verreibung passiert hängt von jedem einzelnen, von der Gruppendynamik ab. Bewertungen können den Prozess hier wieder ins Unbewusste wegdrängen. Ich höre immer wieder, „bei mir ist ja gar nichts passiert“, weil Bilder erwartet wurden, keine kamen und dann hat sich alles auf emotionaler Ebene abgespielt, was großartig ist. Denn die meisten Blockaden in unserem Körper, in unserem Geist basieren auf nicht ausgelebten, verdrängten Emotionen. Wenn diese gespürt werden legen sie viel im System frei, das für ein erfülltes Leben wichtig ist. Der Prozess des Durchwanderns eines Konfliktes bis hin zur Lösung innerhalb einer Verreibung ist hierbei immer der rote Faden. Es gibt ein Thema, zu dem Thema gibt es Konflikt, in dem Konflikt liegt die Lösung schon vor. Das bedeutet auch, dass eine Verreibung immer erst dann fertig ist, wenn es bei allen Teilnehmern zu einer Lösung kam. Und die kommt immer! Das ist die große Hoffnung auf die manchmal sehr schweren Tiefen, die währenddessen entstehen.

Der Prozess kann bei unterschiedlichen Verreibungen auch anders durchlebt werden, mal sind es einzelne, starke Bilder, mal sind es ganze Filme, mal sind es Emotionen, die im Körper erlebt werden oder Körpersymptome, mal ist es sehr still und es geht darum, die Haltung zu halten, um sie zu integrieren, die sich während der Verreibung einstellt und mal ist es ein Satz oder seitenlanges Mitschreiben. Mal kann gar nicht mitgeschrieben werden, weil es ums Spüren geht und mal ist es wichtig viel zu schrieben, um danach noch Zugriff zu haben. Es gibt hierbei kein Richtig oder Falsch, und sehr selten nur bleiben sehr verkopfte Menschen in ihrem zweifelhaften Geist. Bei mir passiert das etwas bei einem von 50 Menschen, soweit ich das einschätzen kann.

Am Ende gibt es immer ein Sharing, das hat mehrere Gründe:

1.Kreisbildung

2.Gruppengefühl

3.Auflösung narzistischer ich-Grenzen

4.Beförderung von unbewusstem Material ins Tagesbewusstsein

5.Bildung neuer neuronaler Schaltungen

6.Vertiefen und Vermehrung von Erkenntnissen

Kreisbildung

Unsere Welt erträgt keine Egomanen mehr, die isoliert ihr Eigenleben leben, ohne Umsicht und Rücksicht für die Umwelt. Je größer und stärker wir Kreise bilden, desto stärker werden auch die Heilenergien sein, die in uns entstehen und die wir aussenden können. So können wir aktiv die Welt stärken und nähren, die entstehen möchte in all ihrem Mitgefühl und Artenvielfalt. Kreise sind unverzichtbar, wann immer ihr könnt, schließt Kreise, bringt euch zusammen.

Gruppengefühl und Auflösung narzistischer Ich-Grenzen

Wie viele Menschen tragen das Gefühl in sich, allein zu sein, oder verlassen zu sein, oder alleingelassen zu sein, oder aufgegeben worden zu sein. In der Gruppe erkennen wir, keiner ist allein, wir sitzen alle im selben Boot, wir reichen uns die Hände, auch ich kann etwas bewirken mit meinen Händen und bin wichtig.

In der Isoliertheit kann ich nicht adäquat wachsen und kann allenfalls eine narzistische Störung entwickeln. Im Sharing teile ich mich mit, ich trete aus meiner Blase heraus und gehe in Kontakt mit meiner Umwelt. Ich komme aus meiner Isoliertheit heraus, ich höre, das was dir passiert ist, ist mir auch schon mal passiert, das was mir passiert ist während der Verreibung klingt ja ähnlich, was dir passiert ist. Und doch ist jede Geschichte einzigartig. Ich-Grenzen lösen sich hierdurch auf, und können ablassen von dem Gefühl oder Gedanken, dass nur „ich“ das und das Problem habe und das „ich“ deshalb damit alleine dastehe.

Beförderung von unbewusstem Material ins Tagesbewusstsein

Es kommt immer wieder vor, das sehr Wichtiges erfahren wurde während einer Verreibung, jedoch die Integration lückenhaft ist. Zum einen würde das Material geradewegs ins Unbewusste befördert würde, wenn darüber nicht geredet würde. Also hilft alleine das Aussprechen schon, das Erfahrene sich präsent zu machen und damit im System zu verankern. Und dazu gebe ich im Sharing Impulse, Hinweise, und konkrete Anregungen, wie das, was erfahren wurde in den Alltag eingebaut und verankert werden kann, sodass es nicht wieder verloren geht. Auch mache ich darauf aufmerksam, an welcher Stelle sich ein Kreis geschlossen hat, wenn ich das Gefühl habe, dass im Bewusstsein ein Stück fehlt, das jedoch nötig ist, um die Erkenntnis integriert und abrufbereit zu haben.

Bildung neuer neuronaler Schaltungen

Mit jeder Veränderung, mit jeder Neuerung in unserem Leben bilden sich neue Verbindungen von Nervenzellen in unserem Gehirn. So erweitern wir unser Erfahrungsspektrum auch rein körperlich sichtbar. Während wir über das reden, was wir durchlebt haben während der Verreibung, spürt ein Teil dies erneut nach, die Synapsen, also Verbindungsstellen an den Nervenzellen werden damit gefestigt und weiter ausgebaut.

Vertiefen und Vermehren von Erkenntnissen

Es kommt regelmäßig vor, dass ein Teilnehmer seine Reise teilt, und dadurch die Erkenntnis eines anderen Teilnehmers erst so richtig verstanden wird oder der größere Zusammenhang klarer wird. Auch wird über das Zuhören eigenes Erinnerungsmaterial aktiviert, dass sich so noch den Weg ins Bewusstsein bahnen kann und sich dem eigenen Prozess anschließen kann, was ohne das Teilen unverbunden geblieben wäre. Es bilden sich immer wieder Kontexte aus, die vorher nicht klar waren, in welchem Zusammenhang sie stehen und weshalb alles so passieren musste, wie es passiert war.

Je mehr wir uns lösen können von solchen isolierten Erinnerungen, und diese in einen Kontext stellen können, desto besser können wir auch in uns Kreise schließen und besser als Ganzheit funktionieren. Dann kann auch die Kreisbildung im Außen sich fast ganz von selbst einstellen.