Wenn das Fühlen Angst bereitet und Wege Das Fühlen zu erlauben

Wie Druck in Partnerschaften zu Distanz führt

Wir alle möchten uns gesehen fühlen. Wenn wir uns erkannt fühlen, entspannen wir uns und können loslassen. Wir können uns absinken lassen in uns selbst mit dem, was sich uns zeigt, sei es Schmerz, Potential, Emotion oder eine Idee.

Innerhalb einer Beziehung entstehen jedoch manchmal Dynamiken, wo einer von beiden in tiefe Gefüle kommt und anstatt dort zu bleiben anfängt Mechanismen aufzufahren, um dort wieder herauszukommen. Das kann so aussehen, dass man sich schwächer macht, als man ist, um Hilfe zu erfahren. Das kann in Vorwürfen enden, die das Problem nach außen hin verlagern, anstatt komplett bei sich im Gefühl zu bleiben. Das kann zu Enttäuschungen führen, weil damit verbundene Erwartungen nie ausgesprochen wurden.

Ich kann rückblickend sehen, wie ich in meinen ersten Partnerschaften oft in der Angst war und mir unbewusst von meinem Partner gewünscht hatte, dass er mir Sicherheit gibt, damit ich diese Angst nicht zu spüren brauchte.

Doch hatte ich damit Druck aufgebaut, aus dem sich der Partner zu entziehen versuchte, indem er aus dem Kontakt ging, innerlich, wie äußerlich. So wiederholte sich der Kreislauf, denn das Unbehagen in mir wuchs, Bedürfnisse wurden größer, Druck immenser und die Entfernung immer weniger überbrückbar.

All diese Reaktionen auf das Gefühl, das der eine nicht spüren möchte, baut Druck bei dem anderen auf. Handlungsdruck, Verteidigung, Rückzug, Ohnmacht, Kontrolle, Vorwürfe können dann die Antwort darauf sein. Und diese Reaktionen führen zu noch mehr Distanz und am Ende zu Kommunikationsproblemen, bis man sich gar nicht mehr versteht. Jeder ist dabei zu interpretieren, was der andere gemeint haben könnte und nichts wird mehr verstanden, wie es gesagt und gemeint war.

Anstrengend. Oder?!

Sich wieder begegnen

Wir wäre es, wenn der eine bei dem bleiben kann, was gerade passiert, sei es Schmerz, Potential, Emotion oder eine Idee und sie erstmal komplett versucht zu ergründen, zu spüren, zu erkunden wie eine Gegend, die man noch nicht gesehen hat.

Es könnte passieren, dass derjenige dann völlig anders auf sich selbst anfängt zu reagieren und sich dadurch auch verändert, wie man auf sich selber antwortet und auf den anderen.

Wenn derjenige in dem bleiben kann, was ihn gerade bewegt, fällt es dem Patrtner wesentlich leichter den Raum dafür zu halten, da es keinen Druck gibt, der auf ihn abgeladen wird, dass sich etwas an der Situation ändern sollte. Kann der eine bei sich bleiben, braucht auch der Partner nicht reagieren.

Es ist oftmals nicht einfach diese Dynamik zu durchbrechen, wo man getriggert wird und dann anstatt zu reagieren inne hält und nichts tut. Aber oftmals ist das ein ganz direkter Schlüssel, der alles verändern kann:

Wenn dich was triggert, und du möchtest am liebsten etwas sagen oder reagieren, wenn du dich fast genötigt fühlst zu handeln, sei es weil es sich in dir unangenehm

anfühlt oder vom Partner Handlungsdruck spürbar ist, schau mal, ob du ganz bewusst tiefe, lange Atmenzüge nehmen kannst. Richte deine gesamte Aufmerksamkeit auf deinen Atem, lang und tief, bis der Handlungs-, oder Reaktionsdruck sich verändert hat. Schau deinen Partner an und frage hin, wie er sich fühlt. Erzähle ihm, wie du dich fühlst. Unsere Gefühle werden instabil, wenn wir darüber reden, fangen an zu zerfallen bis die Leere und Weite im Herzen übrig bleibt. Und wieder genügend Raum vorhanden ist sich zu begegnen.

Das heißt, damit du dich vom anderen gesehen fühlen kannst, siehst und fühlst du als erstes deine Gefühle. Das, was in dir ist. Und das zu erkennen und dann darüber zu sprechen, dich mitzuteilen öffnet den Raum, in dem der Partner dich sehen kann, egal ob im Schmerz, Potential, Emotion oder einer Idee.

Das Mandorla als Begegnungsraum zwischen zwei Menschen nutzen

Wie geht man nun damit um, wenn man in seiner Angst gesehen sein will und der andere anstatt Raum zu halten getriggert wird in seinen Themen?

Ja, wenn du in deiner Angst bleiben kannst, kannst du auch deinem Partner erlauben, seine Ängste zu fühlen, seine Triggerpunkte zu spüren und ihn da sein und bleiben lassen. Beziehung ist etwas so Wunderbares, wenn sich und dem anderen nur genügend Raum gelassen wird.

Es gibt eine Dynamik, die mir vor einigen Monaten bewusst wurde, als ich einen wirklich wunderbaren Menschen in mein Leben begrüßen durfte. Ich erfuhr, dass je mehr ich in mir bleibe, umso größer, ja intensiver der Kontakt zu ihm war.

Ich stelle mir ein Bild vor wie zwei Kreise, eins bin ich, eins ist der Andere. Wenn ich mir erlaube mich so zurückzulehnen, dass ich den gesamten Raum nach hinten einnehme, umso mehr Raum wird zwischen uns kreiert, in dem wir uns begegnen können. Man nennt diesen dritten Raum auch Mandorla. Es ist der Raum, der entsteht, wenn zwei Kreise sich überschneiden. Die Kreise sind auch energetische Räume in uns.

Wenn ich nun in die Angst gehe, oder ins Bedürfnis, oder Kontrolle, dann gehe ich in den Kreis des Anderen hinein. Ich gehe energetisch gesprochen aus mir heraus und in den Raum des anderen hinein, damit übergehe ich die Möglichkeit des Mandorla. Der Partner kann sich daraufhin nur zurückziehen, um seinen eigenen Raum beizubehalten. Der Rückzug kann soweit gehen, dass es keine Überschneidung der beiden Kreise mehr gibt und die Kommunikation unmöglich wird.

Ich bin immer wieder so fasziniert von den Paradoxien, die das Leben uns erfahren lässt.

Die Kraft des eigenen Raums entdecken

Wenn du also denkst, du brauchst etwas von deinem Partner, oder ihm was vorwürfst, oder dich von ihm abhängig machst, vielleicht magst du ausprobieren wie es ist, in dir dich zurückzulehnen, tief und lang zu atmen. In dir zu finden, was du im außen suchst. In dir zu finden, was du dem anderen vor-wirfst. Hebe es auf, packe es in dein Herz, atme es in dich hinein, bis es seinen Platz wieder gefunden hat und lasse deinem Partner den Raum, der ihm gebührt, in dem du deinen Raum einnimmst, in dir. Wenn du dich siehst, kann der andere dich sehen. Dann kannst du dich gesehen fühlen und dem anderen damit auch Raum geben, dass dieser sich gesehen fühlen kann, weil nichts mehr zwischen euch steht, an Erwartungen, Vorwürfen, Bedürfnissen, Vermeidungen, Verteidigungen oder anderen Mechanismen, die dich aus dir heraus katapultieren. Bleibe in dir und atme, bis der innere Sturm sich gelegt hat. Und dann schau auf die Situation und teile mit, was in dir vorging.

Wenn du konkrte Fragen hast, melde dich gern. Ich gebe auch Paarsessions, um diesen dritten Begegnungsraum wieder zu aktivieren.