Weshalb STILLE wirklich wichtig ist

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“Silence is one of the great arts of conversation” (Cicero)
– Vor allem der Konversation mit uns selbst.

Teil 1

Wenn wir ins Herz einkehren, wird es still.
Und das ist auch gut so. Es ist die einzige Möglichkeit, dem inneren Kind zu lauschen und es ist die einzige Möglichkeit ins Kreieren zu kommen. Die größte Stille ist im Nichts. Und im Nichts ist alles enthalten. Aus der Leere heraus entstehen die Dinge.
Vielen Menschen macht es Angst in diese Stille zu kommen. Für viele ist es zu unspektakulär, und vor allem zu anders als alles, dass wir an Eindrücken im Alltag der Stadt vermittelt bekommen.
Wenn es still wird, muss man dazu noch die Frage loslassen, was man mit der Stille dann anfängt.
Denn die Stille stillt sich aus sich selbst heraus. Da gibt es nichts, was damit angefangen werden will. Sie genügt sich selbst und kann auch nur erwachsen, indem mit ihr nichts mehr angefangen werden will. Und je mehr Stille wir zulassen, desto mehr geschieht das, was in Übereinstimmung mit uns liegt.
So ist es auch mit dem inneren Kind, das im Herzen wohnt.

Das innere Kind wohnt im Herzen

Das innere Kind will einfach sein dürfen, ohne dass es nützlich sein muss. Es will sich selbst genügen und angenommen wissen. Ohne das es etwas leisten muss. Die Stille ist wie eine Übung, das Geschehen lassen anzunehmen – Wo nichts mehr interveniert, nichts aktiv gewollt und forciert wird, sondern einfach sein darf.
In einer Verreibung hatte ich mal eine Geschichte in mir erfahren, wo ich im Nichts war. In der absoluten Stille. Um mich herum war alles weit und dunkel, unendlich und still. Ein Licht kam auf mich zu. Ich freute mich und wollte dass es näher kommt. Da zog es sich direkt wieder zurück. Ich war enttäuscht, wurde mir der Stille und Dunkelheit um mich bewusster und liess mich abermals darin fallen. In dem Moment kam das Licht wieder auf mich zu. Ich wurde aufgeregt als es nahe kam und wieder konnte ich es kaum erwarten, dass das Licht mich erfüllt. Und wieder zog es sich zurück und entfernte sich. Ich erkannte, wie ich das Licht absolut lassen musste, ohne Wunsch oder Wille zu benutzen, wenn ich es näher kommen lassen wollte. Denn das Licht zu wollen, heißt die Dunkelheit um mich herum nicht zu wollen. Je mehr ich das Licht will, umso mehr zeigt es, wie ich die Dunkelheit um mich herum weg haben wollte. Also ließ ich mich in die Dunkelheit und Stille fallen und atmete mit ihr. Und erst als auch ich still wurde ohne Wille und Wollen, kam von ganz allein das Licht auf mich zu. Und auch als ich das Licht einfach nur darin beobachtete, wie es auf mich zukam und ich mich allein auf den Prozess des Annäherns einließ und alles ließ, ohne etwas beizusteuern, durchdrang mich das Licht. Ich erkannte, dass die Stille und die Dunkelheit ein großer Lehrmeister ist, alles anzuerkennen was ist, und damit frei von Problemen zu werden. Denn nichts gibt es, was weg muss, wenn wir es geschafft haben, allem Raum in uns zu geben. Und darin erwecken wir auch die Verbindung mit unserem inneren Kind, das im Herzen wohnt und uns selbst genügsam sein lässt, wenn es Freiraum spürt, sein zu dürfen.

Impuls

Wie möchtest du also konkret die nächste Woche nutzen, der Stille in dir Raum zu geben? Stille in dir wachsen zu lassen, damit dein inneres Kind Raum bekommt?

Teil 2

Es klingt so contra intuitiv, dass wenn sich etwas nicht gut anfühlt, es da sein zu lassen. Doch Tempo in der heutigen Zeit heißt auch über vieles hinweg zu gehen.
Ich glaube mittlerweile, dass so viele Menschen als Kind in gewissen Eigenheiten nicht sein durften, dass sich diese Mechanismen automatisiert haben. Wir sind es gewohnt abgelenkt und überdeckt zu werden mit fremden Wünschen, Bedürfnissen und Vorstellungen, dass sich Hilflosigkeit einstellen muss, wenn wir in die Leere eintreten, wo alles sich selbst genügt. Und wenn wir es schaffen, diese Hilflosigkeit und das Wollen und das Verändern wollen, loszulassen, dann entsteht dieser weite Raum, wo das innere Kind erstmalig wieder aufatmen kann, hervorkommen, sich zeigen. So wie das innere Licht, das in der Verreibung auf mich zukam, die ich im vorigen Beitrag über die Stille geteilt habe. Und dann liegt es an uns, nicht ins Wollen und Verändern und Optimieren wollen wieder zu rutschen, sondern frei und absichtslos zu bleiben.

Beobachten der Stille

Es gibt ein Beobachten, wo wir uns distanzieren und abkoppeln vom Geschehen, im heftigsten Fall kommt es dann zu einer Dissoziation, wo wir uns letztlich auch von uns selbst distanzieren. Es gibt aber auch ein Beobachten, wo wir verbunden mit uns bleiben und gewahr bleiben, tief hinein atmen und das Erleben bewusst halten. Uns der Erfahrung hingeben und beobachten, was diese Erfahrung in uns bewegt und wie sich das anfühlt.
Dadurch üben wir uns gleichzeitig in Akzeptanz, Annahme, Erlauben, Geschehen lassen in absoluter Eigenverantwortung. Viele spirituelle Praktiken haben zum Ziel, das Menschen in dieser Leere landen können. Und nach dem Landen geht es darum, darin auch bleiben zu können.
In der HeliosReise, die ich als Format im letzten Jahr ins Leben gerufen habe, um Menschen in ihre Liebe und Kraft zu begleiten, hatten die Teilnehmerinnen am Anfang Muster gezeigt bekommen, die sie all zu gut kannten. Körperliche Schmerzen, Traurigkeit, Schwere. Durch die Verreibung ins Herzzentrum hinein, landeten sie jede für sich in dieser Weite und Stille. Es war beinahe enttäuschend, dass diesmal „so wenig kam“, und am Ende gefühlt einfach nichts passierte. Auf Nachfrage fiel ihnen aber allen auf, dass die körperlichen Schmerzen, die Schwere und die Traurigkeit weg waren und die Weite sich ziemlich angenehm und erleichternd anfühlte.
Ich glaube auch in dieser großen Stadt, wo es so viele Veranstaltungen zu Persönlichkeitsentwicklung, Arbeit am Selbst, Körper-Psycho-Spirit- Workshops angeboten werden läuft man in die Gefahr, dies als Entertainment zu verstehen, wo möglichst viel passieren soll. Doch am Ende sollte alles darauf hinaus laufen, dass wir Schichten so abtragen können in uns, die uns blockieren in eine reine Verbindung mit uns selbst gelangen können. Und darin still werden. Denn dann kann das innere Kind ein starker Verbündeter werden, dann können Ideen und Impulse auftauchen, die uns erfüllen, und Lösungen sich zeigen für „Probleme“. Mit uns zu sein ohne das wir was leisten müssen – uns lieb haben, einfach dadurch, das wir sind – Entschleunigung und Müßiggang als Einladung nehmen, uns zu erhören – sind alles Dinge, die sehr unspektakulär sind, und doch so viel Freiraum und Leichtigkeit und Aufatmen mit sich bringen.